Ich möchte ein Nacktmull sein...

Diskussionen rund um Natur und Umwelt
Antworten
Benutzeravatar
SLR
Beiträge: 1791
Registriert: Fr 29. Jul 2016, 08:36

Ich möchte ein Nacktmull sein...

#1

Beitrag von SLR » Do 14. Mai 2020, 07:12

Ich möchte ein Eisbär sein, sangen Grauzone im Zuge der Neuen Deutschen Welle Anfang der 80er Jahre.

Doch was sich bei ihnen nicht zweifelsfrei erschloss – außer, dass Eisbären nicht weinen müssen – ergibt sich für den Nacktmull ganz zwangsläufig, erfährt man erst mal einiges über ihn.

Der Nacktmull. Alles an ihm ist hässlich, abgrundtief hässlich, so grässlich hässlich...äh nein, da landen wir bei einem anderen Lied aus dieser Zeit und Codo dem Dritten aus der Sternenmitten… und hassen tut der Nacktmull nicht und muss man ihn auch nicht – wenn man nicht gerade Kamel ist, aber dazu später. Aber wer kennt ihn überhaupt?

Vom Namen angefangen ist wirklich alles an dem Tierchen freundlich ausgedrückt unästhetisch. Bei der Wahl des hässlichsten Tieres der Welt ist er regelmäßig in den Top Ten. Und dennoch, ja dennoch ist er irgendwie putzig, so schutzlos wie er mit seiner schrumpeligen Haut, den zu langen vor den Lippen liegenden Grabezähnchen und den spärlichen Härchen an seinem Körper wirkt.

Nacktmulle sind Nagetiere. Beheimatet in den Wüsten Ostafrikas – Kenia, Äthiopien und Somalia. Dort leben sie in unterirdischen Höhlensystemen, die sie kilometerweit durch die Landschaft buddeln und zwar in Kolonien, die staatenähnlich wie bei Ameisen und Bienen organisiert sind. Es herrscht ein strenges Matriarchat, es gibt eine Königin, die regiert und ausschließlich den Nachwuchs bekommt. Bis zu 450 Junge über viele viele Jahre hinweg.

Denn das ist das erste Kuriosum der nackigen Mulls. Gemessen an ihrem Nagertum und ihrer Größe (etwa hamstergroß) leben sie unglaublich lange – bis zu 30 Jahren. Und im Gegensatz zum Menschen, bei dem die Sterblichkeit mit zunehmendem Alter exponentiell steigt, bleibt sie beim Mull nach der Geschlechtsreife unverändert. Ein theoretisch ewiges Leben.

Woran das liegt, weiß die Wissenschaft noch nicht genau. Sie vermutet einerseits das Sozialsystem andererseits könnte es auch an ihrer DNA liegen, die sich besonders effizient repariert.

https://www.welt.de/kmpkt/article173018 ... illst.html


Ein weiteres Phänomen: Nacktmulle erkranken nicht an Krebs. Das Zauberwort heißt Kontaktinhibition und ist auch beim Menschen vorhanden, ein Mechanismus, der die Zellen vor unkontrolliertem Wachstum schützt – nur hat der Mull sie doppelt. Wie beneidenswert.

Wer lebte nicht gerne schmerzlos oder zumindest schmerzunempfindlicher? Nun der Nacktmull ist damit gesegnet, wenn er beispielsweise mit Säure in Kontakt kommen würde. Seine Schmerzrezeptoren in der Haut sind im Vergleich zu menschlichen verändert und werden bei gewissen Reizen blockiert. Sie geben den Schmerz nicht weiter. Dieses reduzierte Schmerzempfinden ist wichtig, da in den unterirdischen Gängen Sauerstoffmangel herrscht und die Konzentration von Kohlendioxid hoch ist, was zu einer Übersäuerung des Gewebes führt, die bei Säugetieren auch dem Menschen schmerzhafte Verätzungen und Entzündungen auslöst.

Das letzte Wunder, das den Nacktmull endgültig zu einem Objekt der Forschung macht ist aber, dass er bis zu 18 Minuten ohne Sauerstoff auskommen kann!

In ihren Höhlensystemen herrscht ohnedies schon nur ein geringer Sauerstoffgehalt vor. Wenn sich die Tiere zum Schlafen legen, tun sie das zusammengekuschelt über- und untereinander, so dass die unten liegenden so gut wie keinen Sauerstoff mehr bekommen können.


Angetrieben von dieser Beobachtung fand Gary Lewin gemeinsam mit Kollegen der Universität Illinois in Chicago heraus, dass Nacktmulle bis zu 18 Minuten ganz ohne Sauerstoff überleben können. Dies gelingt ihnen dadurch, dass sie vom Brennstoff Traubenzucker, der nur mit Sauerstoff funktioniert um die Zellen zu versorgen auf Fruchtzuckerversorgung umstellen können. Außerdem können sie ihre Mitochondrien, die Kraftwerke der Zellen, bei Sauerstoffmangel innerhalb von Minuten ausschalten, so dass Schäden vermieden werden.

Insbesondere diese Fähigkeit ist interessant für die Schlaganfallforschung. Denn wenn ein Mensch länger als drei Minuten keinen Sauerstoff atmet, beginnen Zellen abzusterben und schwerste Schäden drohen.

Der Mull dagegen wacht lediglich ein wenig ramdösig auf und braucht eine wenig Zeit um wieder ganz wie vor der Nachtruhe zu sein.


Das war mal der erste Teil zu den Mulls, die es beispielsweise im Berliner Tierpark gibt.

Und die von Google in seinem Biotechunternehmen Calico bei San Francisco gezüchtet werden, weil man sich von ihnen eben große Fortschritte bei der Entwicklung von Medikamenten zur Schlaganfallbekämpfung macht.

Morgen geht’s weiter mit der Erörterung, warum man evtl. doch kein Nacktmull sein möchte.



"Dies ist ein Antiterroranschlag des Asozialen Netzwerkes"

Benutzeravatar
MrACE
Beiträge: 3226
Registriert: Di 8. Sep 2015, 18:33
Wohnort: Großaitingen
Kontaktdaten:

Re: Ich möchte ein Nacktmull sein...

#2

Beitrag von MrACE » Do 14. Mai 2020, 07:36

:mrgreen: Ich ziehe es vor weiter Mensch zu bleiben!
Haller schon in der Jugend, Riedle, Veh und Schuster groß werden sehen und auch noch mit dem FCA an der "Anfield road" gewesen zu sein, mehr geht in einem Augsburger Leben eigentlich gar nicht.
"Augschburger" besser geht eh nicht.

Benutzeravatar
thai.fun
Beiträge: 2313
Registriert: Fr 9. Okt 2015, 19:30
Wohnort: Zürich

Re: Ich möchte ein Nacktmull sein...

#3

Beitrag von thai.fun » Do 14. Mai 2020, 11:49

Ich habe in der Schule gelernt, es gibt auf Erden nichts was nicht seine Funktion im Fauna, Flora oder Menschen Naturkreislauf hat. So stufe ich den Nacktmull unter "ferner liefen" ein. Halt ohne Beine ...
... der werfe den ersten Steintisch!

Benutzeravatar
Bogdan
Beiträge: 524
Registriert: Di 10. Mär 2020, 12:09

Re: Ich möchte ein Nacktmull sein...

#4

Beitrag von Bogdan » Do 14. Mai 2020, 13:52

Studie über Nachtmull
:info:

Das schafft die Menschheit nicht. :joint:
Die Schwierigkeit beim Katz-und-Maus-Spiel ist zu wissen, wer die Katze ist.
aus Jagd auf Roter Oktober
Egal wie tief man die Messlatte des geistigen Verstandes eines Menschen legt, es gibt jeden Tag jemanden, der bequem darunter durchlaufen kann!

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste